{"id":4031,"date":"2016-12-07T12:37:08","date_gmt":"2016-12-07T11:37:08","guid":{"rendered":"http:\/\/icem-www.folkwang-uni.de\/icem-web\/?page_id=4031"},"modified":"2018-12-13T14:16:45","modified_gmt":"2018-12-13T13:16:45","slug":"was-ist-boen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/icem-www.folkwang-uni.de\/icem-web\/artist-in-progress\/dokumentation-electroacoustics-meets-boen-uebersicht\/projektziel\/was-ist-boen\/","title":{"rendered":"Was ist B\u00f6n?"},"content":{"rendered":"<p><em>(for English version <a href=\"https:\/\/icem-www.folkwang-uni.de\/icem-web\/die-fuenf-elemente-electroacoustic-meets-boen\/the-five-elements-electroacoustics-meets-boen\/more-about-the-project\/what-is-boen\/\"><strong>click here<\/strong><\/a>)<br \/>\n<a href=\"https:\/\/icem-www.folkwang-uni.de\/icem-web\/artist-in-progress\/dokumentation-electroacoustics-meets-boen-uebersicht\/projektziel\/\">( -&gt; zur\u00fcck zu &#8222;Projektziel&#8220;&#8230;)<\/a><br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>Die ad\u00e4quate und angemessene Darstellung des B\u00f6n sowie seiner Urspr\u00fcnge und Geschichte ist eine komplexe Angelegenheit, die bereits 1979 von Terry Jay Ellingson in seiner Dissertationsschrift &#8222;The Mandala of Sound&#8220;[1] er\u00f6rtert wurde:<\/p>\n<p><em>\u201eIndeed, Tibetan and Western writers have suggested such diverse origins of Bon as shamanism, Iranian Mithraism (Kuznetsov 1975), Hinduism, Taoism, and even early forms of Buddhism. Both Buddhist and Bon texts describe the arrival of Bon teachers from India, China, Mongolia, central Asia, and Persia, bringing with them practices such as funeral rites [\u2026].<\/em><\/p>\n<p><em>[\u2026]<\/em><\/p>\n<p><em>Thus, we have the seeming contradiction that Bon is claimed to be an indigenous Tibetan religion, identified with the name of Tibet itself, while nearly all important Bon practices and teachers are said to come from foreign countries. Viewed as a whole, the problem reduces itself to an absurdity. On the one hand, there is no reason why an indigenous religion would necessarily refuse to import compatible teachings and practices from other traditions. On the other hand, it would be ridiculous to assume that either Tibetan Bon or Tibetan Buddhism was wholy the product of non-Tibetan influences borrowed and adapted by the Tibetan \u201ered-faced barbarians\u201c. The problem of Bon origins is not in itself sterile or absurd; it merely awaits thorough and non-reductionist research.\u201c<\/em> [1]<\/p>\n<p>Seit 1979 ist zum Gl\u00fcck viel geschehen und verschiedene Menschen wie <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Per_Kv%C3%A6rne\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Per Kv\u00e6rne<\/a> und <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/David_Snellgrove\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">David Snellgrove<\/a> haben sich dem Thema durch \u00dcbersetzungen und Er\u00f6rterungen umfassend zugewandt.<\/p>\n<p>Deren Ergebnisse m\u00fcsste ich an dieser Stelle eigentlich darstellen. Der Umfang des Diskurses, der sich dadurch jedoch ergeben w\u00fcrde, sprengt leider vollst\u00e4ndig den Rahmen dieses Projektes.<\/p>\n<p>Trotzdem halte ich es auch bzw. gerade im Falle eines k\u00fcnstlerischen Projekts wie diesem f\u00fcr unerl\u00e4sslich, eine entsprechende kl\u00e4rende Grundlage daf\u00fcr zu liefern, worauf ich mich in meiner Arbeit beziehe.<\/p>\n<p>Ich habe mich deswegen entschieden, einen der Vertreter des B\u00f6n selbst zu Wort kommen zu lassen. Zu diesem Zweck gebe ich unten den Anfang eines Vortrags des Menri Lop\u00f6n Trinley Nyima Rinpoche vom 18.11.2016 sinngem\u00e4\u00df in deutscher \u00dcbersetzung wieder. Seine Eminenz Menri Lop\u00f6n Trinley Nyima Rinpoche bekleidet im B\u00f6n-Mutterkloster Menri (Dolanji, Indien), die offizielle Position des Lop\u00f6n, des \u201eh\u00f6chsten Lehrers\u201c (<em>slob dpon<\/em>, &#8222;Head\u00a0 Teacher\u201c) [1] und ist kraft seines Amtes einer der ersten Ansprechpartner f\u00fcr Fragen bez\u00fcglich dessen, wie sich die Urspr\u00fcnge und Grundlagen des B\u00f6n aus Sicht der B\u00f6n-Tradition selbst darstellen.<\/p>\n<p>Der Link zum vollst\u00e4ndige Originalvortrag findet sich unterhalb der Transkription des Vortrags auf dieser Seite.<\/p>\n<p>Weiterf\u00fchrende Literatur zur Vertiefung des Themas findet sich am Fu\u00dfe dieser Seite. F\u00fcr eine breiter gef\u00e4cherte Diskussion um B\u00f6n siehe insbesondere die kommentierte Bibliographie der <a href=\"http:\/\/www.thlib.org\/bibliographies\/wiki\/bon%20bibliography.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">&#8222;Tibetan and Himalayan Library&#8220;<\/a>.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>[1] Ellingson, Terry Jay (1979): &#8222;The Mandala of Sound: Concepts and Sound Structures in Tibetan Ritual Music.&#8220; The University of Wisconsin-Madison.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>SE Menri Lop\u00f6n Trinley Nyima Rinpoche (2016): Abendvortrag zum Thema B\u00f6n<\/strong><\/p>\n<p><em>(Die Zwischen\u00fcberschriften in der deutschen Transkription wurden zur inhaltlichen Orientierung nachtr\u00e4glich von mir eingef\u00fcgt.)<\/em><\/p>\n<p><strong><em>Zur Geschichte des B\u00f6n<\/em><\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eB\u00f6n ist die urspr\u00fcngliche (\u201enative\u201c) oder die historische (\u201eancient\u201c) Tradition Tibets. Gegr\u00fcndet wurde der B\u00f6n von dem Buddha T\u00f6npa Shenrab Miwoche.\u00a0Buddha T\u00f6npa Shenrab Miwoche ist vor 18.000 Jahren gestorben. Er kam aus einer Gegend, die man Zhang Zhung Olmo Lungring nennt.<\/em><\/p>\n<p><em>Gegenw\u00e4rtig ist es immer noch ziemlich schwierig diesen Ort genau zu lokalisieren. Viele Wissenschaftler sagen, Zhang Zhung Olmo Lungring habe\u00a0 im oberen Teil Tibets gelegen, in der N\u00e4he des Berges Mount Kailash.<\/em><br \/>\n<em> Andere Wissenschaftler und Forscher sagen, der Ort habe sich im Gebiet des heutigen Afghanistans und Pakistans befunden. Es ist also schwierig das genau zu sagen.<\/em><\/p>\n<p><em>Der Name des Ortes, aus dem Buddha T\u00f6npa Shenrab Miwoche kam, war jedenfalls Zhang Zhung Olmo Lungring. Und das, was dieser Buddha gelehrt hat, die B\u00f6n-Lehren, nennen wir Yungdrung B\u00f6n.<\/em><br \/>\n<em> Es gibt also eine geschichtliche Phase, in der es zwei unterschiedliche Arten von B\u00f6n gab: Yungdrung B\u00f6n und B\u00f6n.<\/em><\/p>\n<p><em>B\u00f6n hat bereits vor Buddha T\u00f6npa Shenrab Miwoche existiert und war einfach so etwas wie eine Kultur, keine Religion.<\/em><br \/>\n<em> Manche sagen auch, B\u00f6n sei Schamanismus, Yungdrung B\u00f6n hingegen ist kein Schamanismus.<\/em><\/p>\n<p><em>Es wird auch gesagt, dass B\u00f6n vor dem 7. Jahrhundert [2] nicht wirklich eine Religion war, sondern so etwas wie ein tibetisches Kulturgut. Die Praktizierenden des B\u00f6n h\u00e4tten davor keine echte religi\u00f6se Anschauung (\u201eview\u201c) und keine richtige Lehre gehabt.<\/em><\/p>\n<p><em>Aber eigentlich hat Buddha T\u00f6npa Shenrab Miwoche den Yungdrung B\u00f6n in Tibet bereits vor dem 7. Jahrhundert gelehrt, n\u00e4mlich seit dem ersten tibetischen K\u00f6nig Nyatri Tsenpo.<\/em><br \/>\n<em> Bereits zu jener Zeit hat Buddha Shenrab Miwoche seine Lehren an die Menschen in Tibet weitergegeben.<\/em><\/p>\n<p><em>Wir [die Vertreter des B\u00f6n] sagen also, dass die Lehren des Yungdrung B\u00f6n in der Region von Zhang Zhung bereits vor dem 7. Jahrhundert weit entwickelt waren.<\/em><\/p>\n<p><em>Viele Wissenschaftler, darunter Westler, Tibeter, Chinesen und Wissenschaftler aus dem Himalaya, sind gegenw\u00e4rtig der Meinung, dass die Zhang Zhung Region eigentlich die Himalayaregion war, d.h. also auch Teile des heutigen Indiens dazu geh\u00f6rten, au\u00dferdem Ladakh, ein Teil des heutigen Nepals, Mustang, Dolpo, und Teile des heutigen Bhutan und des heutigen Birma [Myanmar]. Die ganze Himalayaregion falle also in das ehemalige Gebiet von Zhang Zhung.<\/em><\/p>\n<p><em>In diesem ganzen Gebiet wird auch heute noch die alte Zhang Zhung-Sprache gesprochen. Es lassen sich viele Worte dieser Sprache in den Dialekten verschiedener D\u00f6rfer finden.<\/em><\/p>\n<p><em>Bis zum 7. Jahrhundert gab es bereits 32 tibetische K\u00f6nige, die nacheinander regiert und die Lehren des Yungdrung B\u00f6n angenommen hatten.<\/em><br \/>\n<em> W\u00e4hrend des 7. Jahrhunderts hat der K\u00f6nig Trisong Detsen die gesamte Zhang Zhung-Region besetzt. Und so ging das meiste des Zhang Zhung-Reichs unter.<\/em><\/p>\n<p><em>Aber trotzdem gibt es noch diese sehr lange und sehr interessante Geschichte \u00fcber die Zhang Zhung-Kultur und die Zhang Zhung-Religion. Und immer noch sind viele Menschen daran interessiert. Sowohl im Westen als auch in China. Sie haben bereits viele verschiedene unterirdische Funde gemacht, die man dem ehemaligen Zhang Zhung-Reich zuordnet.<\/em><\/p>\n<p><strong><em>Die Einladung des indischen Buddhismus nach Tibet<\/em><\/strong><\/p>\n<p><em>Nach dem 7. Jahrhundert luden die tibetischen K\u00f6nige Trisong Detsen und Songtsen Gampo Buddhisten aus Indien nach Tibet ein.<\/em><br \/>\n<em> Es gibt Leute, die dies als Anhaltspunkt daf\u00fcr ansehen, dass B\u00f6n also gar keine richtige Religion gewesen sein kann, oder zumindest kein Buddhismus, und dass die B\u00f6npos nicht den Lehren Buddhas gefolgt seien. Denn wenn es im B\u00f6n auch zuvor schon so etwas gegeben h\u00e4tte wie eine richtige reine religi\u00f6se Weltsicht (\u201eview\u201c), einen reinen Weg [3], dann h\u00e4tte es ja keinen Grund gegeben, Buddhisten aus Indien einzuladen.<\/em><\/p>\n<p><em>Aber innerhalb der B\u00f6n-Geschichte findet man, dass das keine besonders gute Begr\u00fcndung ist.<\/em><br \/>\n<em> Es ist eher so wie z.B. in Deutschland: Hier gibt es viel gr\u00fcnen Tee. Aber trotzdem wird auch Tee aus Indien, Japan, Nepal und China importiert. Von \u00fcberall dort wird gr\u00fcner Tee nach Deutschland importiert. Einfach, weil die Menschen eben verschiedene Vorlieben und Geschm\u00e4cker haben. Der eine mag diesen Tee besonders gerne, und der andere mag eben den anderen lieber. Also wird beides importiert.<\/em><\/p>\n<p><em>Und mit dieser Sache [der Einladung von Buddhisten aus Indien nach Tibet] ist es genauso: Es geht nicht darum, dass das eine \u201erein\u201c ist und das andere nicht.<\/em><\/p>\n<p><em>Genauso ist es z.B. in Bezug auf den K\u00f6nig Songtsen Gampo. Dieser hat eine chinesische und eine nepalesische Frau geheiratet. Aber zur damaligen Zeit gab es ja auch in Tibet Frauen. Warum also hat er eine chinesische und nepalesische Frau geheiratet? &#8211; Bei diesen Sachen geht es um etwas v\u00f6llig anderes. Es geht nicht darum, dass die tibetischen Frauen nicht nett waren. Oder das irgendwas anderes mit ihnen nicht in Ordnung gewesen w\u00e4re. Das ist nicht der Grund. Die Idee dahinter ist eine v\u00f6llig andere [4].<\/em><\/p>\n<p><strong><em>Religion und Krieg<\/em><\/strong><\/p>\n<p><em>W\u00e4hrend des 7. Jahrhunderts gab es zwischen den tibetischen Buddhisten und dem B\u00f6n Konflikte.<\/em><\/p>\n<p><em>Ich war einmal in Polen und habe einen \u00f6ffentlichen Vortrag gehalten. Da war eine Frau, die sagte: \u201eIch mag keine Religion. Religion macht immer nur Probleme in unserer Welt und verursacht Kriege.\u201c<\/em><br \/>\n<em> Ich hab&#8216; gesagt: \u201eHier [bei den Religionen] geht es nicht um Kriege. Die Kriege werden nur von den Anh\u00e4ngern, von manchen Anh\u00e4ngern der Religionen gef\u00fchrt.&#8220;<\/em><\/p>\n<p><em>Letztens hat der Dalai Lama gesagt, dass es nicht gut ist, den Begriff \u201emoslemischer Terrorismus\u201c zu verwenden. Denn der Islam, der Hinduismus, das Judentum, das Christentum, &#8211; all diese Religionen sind rein. Sie alle k\u00f6nnen dem eigenen Leben von gro\u00dfem Nutzen sein. Aber es gibt einige Anh\u00e4nger der Religionen, die die Religion benutzen, um etwas Falsches zu tun.<\/em><\/p>\n<p><em>Das ist wirklich wichtig, versteht ihr?<\/em><\/p>\n<p><em>Denn manchmal sagt die junge Generation, sagen die jungen Leute: \u201eOh, Religion ist nicht gut. Das ist nur etwas, was K\u00e4mpfe und Terrorismus hervorruft und alles zerst\u00f6rt.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>Aber in den Lehren aller Religionen geht es um Liebe und Mitgef\u00fchl. Es geht darum, sich gegenseitig zu helfen, allen Wesen zu helfen. Das ist in allen Religionen dasselbe. Dies ist ihre Hauptbotschaft.<\/em><\/p>\n<p><em>Aber einige Anh\u00e4nger von Religionen machen Probleme, machen Stress (\u201etrouble\u201c).<\/em><\/p>\n<p><strong><em>Unterschied zwischen B\u00f6n und Buddhismus<\/em><\/strong><\/p>\n<p><em>Doch kommen wir zum B\u00f6n zur\u00fcck. Viele Leute aus dem Westen stellen mir immer wie die Frage: \u201eWas ist der Unterschied zwischen Buddhismus und B\u00f6n?\u201c Die Frage kommt oft.<\/em><\/p>\n<p><em>Und ich sage dann immer: Die Handlungsweisen (\u201eactivities\u201c) und die \u00e4u\u00dferen Erscheinungen, die man im tibetischen Buddhismus und im B\u00f6n findet, sind sehr \u00e4hnlich. Wenn ihr mal in ein buddhistisches Kloster oder in ein B\u00f6n-Kloster geht, seht ihr, dass es fast dasselbe ist. Der einzige Unterschied findet sich vielleicht beim Zirkambulieren [5].<\/em><\/p>\n<p><em>Au\u00dferdem wollen die Leute wissen: \u201eIst B\u00f6n nun Buddhismus oder nicht?\u201c<\/em><br \/>\n<em> Ich denke, da [in Bezug auf das Zustandekommen dieser Frage] ist etwas mit der \u00dcbersetzung nicht ganz richtig gelaufen, egal, ob die nun von einem Briten oder irgendeinem anderen Westler gemacht wurde. Das Problem ist, dass \u201eBuddhist sein\u201c zu hei\u00dfen scheint: \u201eDer, der Buddha folgt\u201c. Aber unter \u201eBuddha\u201c wird nur ein einziger Buddha verstanden, n\u00e4mlich der Buddha Gautama, Shakyamuni [6].<\/em><\/p>\n<p><em>Aber hier fehlt etwas im Verst\u00e4ndnis. Denn \u201eBuddha\u201c hei\u00dft auf Sanskrit \u201eErleuchtung\u201c, \u201eAufmerksamkeit\/Gewahrsein\/Bewusst-Sein (\u201eawareness\u201c)\u201c, \u201ereine Erleuchtung\u201c, \u201eWeisheit\u201c. Und sowohl im tibetischen Buddhismus als auch im B\u00f6n glauben wir, dass es Tausende von Buddhas gibt. Die Buddhas der Zukunft, die Buddhas der Vergangenheit, und gegenw\u00e4rtige Buddhas. Es gibt wirklich viele von ihnen. Buddha ist also nicht nur einer.<\/em><\/p>\n<p><em>Ich glaube, im Westen, in der Vorstellung der Westler, ist es so, dass da eben nur ein Gott ist. Und in Indien ist es auch so: Ein Gott, ein Baghvan. Und weil es im Westen eben nur einen Gott gibt, deswegen versteht man im Westen unter Buddha eben auch nur einen, n\u00e4mlich Shakyamuni. Und man denkt, ein Buddhist sei jemand, der Shakyamuni folge, dem Buddha Shakyamuni.<\/em><br \/>\n<em> Aber so ist das nicht korrekt.<\/em><\/p>\n<p><em>Wir im B\u00f6n glauben ebenfalls, dass Buddha Shakyamuni ein Buddha ist. Aber Buddha T\u00f6npa Shenrab Miwoche ist eben auch ein Buddha. Es handelt sich hier um zwei verschiedene Religionsgr\u00fcnder, aber eher im Sinne von zwei verschiedenen \u201e[\u00dcbertragungs-]linien\u201c.<\/em><\/p>\n<p><em>Wenn man tats\u00e4chlich die genauen Unterschiede zwischen tibetischem Buddhismus und B\u00f6n wissen will, dann muss man sich wirklich damit besch\u00e4ftigen, dann muss man das richtig studieren. Denn es geht hier zwar um unterschiedliche Linien, aber der Kern, das Hauptanliegen, ist dasselbe: Mitgef\u00fchl, Bodhicitta, Liebe und \u00dcbungen, mit denen man seine negativen Gef\u00fchle und inneren Konflikte bereinigen kann.<\/em><br \/>\n<em> In Bezug auf diese Dinge ist alles dasselbe.<\/em><\/p>\n<p><strong><em>Austausch zwischen den \u00dcbertragungslinien<\/em><\/strong><\/p>\n<p><em>Um ein Beispiel zu geben. Viele M\u00f6nche aus meinem Kloster, dem Menri-Kloster, gehen in ein Gelug-Kloster [7] um da zu lernen und zu studieren. Und genauso kommen Gelug-M\u00f6nche zu uns, um zu lernen und zu studieren. Und das ist eine gute Idee, denn auf diese Art und Weise wei\u00df man irgendwann, was der Unterschied ist.<\/em><\/p>\n<p><em>Aber manchmal gibt es ja Menschen, die so einen engen, verschlossenen Geist haben. Und die denken dann zum Beispiel: \u201eIch bin doch ein B\u00f6n-M\u00f6nch. Wenn ich nun in ein Gelug-Kloster gehe, um dort zu lernen, zu studieren und zu praktizieren, vielleicht m\u00f6gen meine Schutzgottheiten, meine Deities das nicht. Vielleicht bestrafen sie mich dann.\u201c<\/em><br \/>\n<em> Es gibt tats\u00e4chlich Leute, die so etwas denken.<\/em><\/p>\n<p><em>Ich rate meinen Studenten im Westen, und sogar im Kloster, dann aber immer: \u201eWisst ihr, auf meinem privaten Altar, da befinden sich alle Arten religi\u00f6ser Lehrb\u00fccher, die ich habe. Jeden Tag bringe ich Butterlampen und R\u00e4ucherst\u00e4bchen zu dem Altar, und Wasserschalen und Kuchen [8]. Und es ist wirklich noch nie etwas passiert. Ich habe noch nie einen schlechten Traum gehabt [9].\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>Das [mit dem Studium anderer \u00dcbertragungslinien] ist also wirklich kein Problem.<\/em><\/p>\n<p><strong><em>Der Mythos des \u201eeinzigen\u201c Lehrers<\/em><\/strong><\/p>\n<p><em>Im Westen gibt es au\u00dferdem Menschen, die sind sich unsicher und fragen: \u201eWenn ich Unterricht von einem B\u00f6n-Lehrer bekomme und wenn ich dann aber auch noch zu anderen Lehrern gehe &#8211; mag meine Schutzgottheit das unter Umst\u00e4nden nicht und wird mich bestrafen?\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>Wenn sie so etwas fragen, dann sage ich: \u201eWenn Deine Schutzgottheit anf\u00e4ngt, eifers\u00fcchtig zu sein und w\u00fctend zu werden &#8211; hey, dann brauchst Du sie nicht! Was soll denn das? Dann ist sie doch einfach nur ein gew\u00f6hnliches Wesen. Und dann brauchst Du sie nicht. Eine Schutzgottheit ist dazu da, um Dein Leben in dem Sinne zu besch\u00fctzen, dass Du gl\u00fccklich wirst, Freude hast, dich \u00f6ffnest.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>Es scheint da etwas im Westen zu geben, was mir \u00f6fters begegnet und was st\u00e4rker zu werden scheint. Es gibt da offensichtlich Lehrer, die sagen: \u201eDu darfst nur zu meinen Belehrungen kommen. Geh nicht zu den Belehrungen anderer Meister! Ansonsten macht das schlechtes Karma.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>Und dann gibt es auch Leute, die mich fragen: \u201e Wer ist mein Hauptlehrer [root lama]?\u201c Und ich sage dann immer: \u201eDas kannst Du Dir aussuchen! Das kannst Du selbst entscheiden!\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>Und dann werde ich gefragt: \u201eKann ich denn auch zwei Lehrer haben?\u201c Und dann sage ich: \u201eAber nat\u00fcrlich! Der Raum ist sehr gro\u00df, es gibt keine Begrenzungen. Wenn eure Meister anfangen, sich \u00fcber eurem Kronenchakra gegenseitig zu bek\u00e4mpfen, dann vergesst sie! Die verhalten sich dann ja genauso wie jeder andere, wie alle gew\u00f6hnlichen Wesen, die aufeinander eifers\u00fcchtig werden. Das sind dann keine reinen Lamas, keine reinen Lehrer. Wenn sie anfangen sich zu bek\u00e4mpfen und eifers\u00fcchtig zu sein, dann vergesst sie! Zu denen braucht ihr nicht beten und die braucht ihr auch nicht zu respektieren.&#8220;<\/em><\/p>\n<p><em><strong>B\u00f6n und Buddhismus: Wer hat wen kopiert?<\/strong><\/em><\/p>\n<p><em>Und dann gibt es Leute, die denken, B\u00f6n sei eine Kopie des Buddhismus. Oder der Buddhismus sei eine Kopie des B\u00f6n.<\/em><\/p>\n<p><em>Ich finde aber, man kann hier nicht von Kopie sprechen. Es gibt einfach verschiedene Farben, verschiedene Geschm\u00e4cker. So wie bei gr\u00fcnem Tee. Da kopiert ja auch niemand etwas. Die eine Sorte kommt aus den Bergen, die andere von einer Farm. Es gibt eben verschiedene Arten und Geschmackssorten. Da w\u00fcrden wir ja auch nicht sagen, dass es sich um Kopien handelt.<\/em><\/p>\n<p><em>Ich habe sehr viele Texte des tibetischen Buddhismus gelesen, und nat\u00fcrlich auch die des B\u00f6n. Und ich sehe da nicht wirklich Unterschiede. Die Hauptanliegen sind dieselben, die Hauptthemen sind dieselben. Aber es gibt unterschiedliche \u00dcbertragungslinien, unterschiedliche Deities, unterschiedliche Mantras, unterschiedliche Gel\u00fcbde. Auf dieser Ebene gibt es Unterschiede. Aber diese Unterschiede sind nicht besonders wichtig.<\/em><\/p>\n<p><em>Aber was man \u00fcber B\u00f6n sagen kann, ist: Es ist die historische (\u201eancient\u201c) urspr\u00fcngliche (\u201enative\u201c) Tradition Tibets. Und dies zu wissen, ist wirklich wichtig. Denn B\u00f6n ist nicht nur eine Religion. Es ist nicht nur Meditation. Sondern es geh\u00f6ren noch ganz andere Dinge dazu.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Es folgt eine kurze Darstellung der \u201eneun Wege des B\u00f6n\u201c, der traditionellen Systematisierung von kulturellen und spirituellen Aspekten des B\u00f6n.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p><em>[1] tibetische Transkription und \u00dcbersetzung \u00fcbernommen von Kvaerne, Per: \u201eIntroduction.\u201c S. 14. In: Lop\u00f6n Tenzin Namdak; Dixey, Richard (1993): \u201eHeart Drops of Dharmakaya. Dzogchen Practice of the B\u00f6n Tradition.\u201c Snow Lion Publications. Boston, London.<\/em><\/p>\n<p><em>[2] Einf\u00fchrung des indischen Buddhismus in Tibet [Anmerkung C.S.].<\/em><\/p>\n<p><em>[3] der zur Erleuchtung f\u00fchrt [Anmerkung C.S.].<\/em><\/p>\n<p><em>[4] Aus einem weiteren Vortrag des Lop\u00f6n, der sich eine Woche sp\u00e4ter in Berlin anschloss, geht hervor, dass SE Menri Lop\u00f6n hiermit politische Motive meint. Sowohl die binationalen Hochzeiten als auch die Einladung indischer Buddhisten sei ein politischer Akt gewesen, bei dem es um die politische Stabilisierung der Region und eine St\u00e4rkung der Beziehungen der L\u00e4nder unteinander gegangen sei.<\/em><\/p>\n<p><em>[5] engl. \u201eto circambulate\u201c: das \u201eUmrunden\u201c (drum-herum-gehen) von heiligen Orten (Statuen, Bergen, o.a.). Die tibetischen Buddhisten gehen im Uhrzeigersinn um den entsprechenden Ort herum, an B\u00f6n-Heiligt\u00fcmern geht man gegen den Uhrzeigersinn.<\/em><\/p>\n<p><em>[6] Shakyamuni: tib. Name f\u00fcr Buddha Gautama.<\/em><\/p>\n<p><em>[7] Gelug &#8211; eine der vier Haupt-\u00dcbertragungslinien des tibetischen Buddhismus.<\/em><\/p>\n<p><em>[8] als regul\u00e4re Opfergabe f\u00fcr die Schutzgottheiten [Anmerkung C.S.].<\/em><\/p>\n<p><em>[9] als Zeichen, dass die Schutzgottheiten eventuell unzufrieden sind [Anmerkung C.S.].<\/em><\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p><strong>Vortrag Seiner Eminenz des Menri Lop\u00f6n Trinley Nyima Rinpoche von 18.11.2016 in Hofheim am Taunus, Deutschland:<\/strong><\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" width=\"840\" height=\"473\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/eWRQfGa_tqE?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<hr \/>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Weiterf\u00fchrende Literatur<\/strong><\/p>\n<p><em>Wissenschaftliche Literatur:<\/em><\/p>\n<p>F\u00fcr eine umfangreiche englischsprachige Bibliographie wissenschaftlicher Schriften zum Thema B\u00f6n und tibetischen Originaltexten, siehe \u201eThe Tibetan and Himalayan Library\u201c (mit kurzem einleitenden Kommentar)<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.thlib.org\/bibliographies\/wiki\/bon%20bibliography.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.thlib.org\/bibliographies\/wiki\/bon%20bibliography.html<\/a> [Zugriff: 05.12.2016]<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Kommentierte und \u00fcbersetzte B\u00f6n-Originaltexte (Auswahl):<\/em><\/p>\n<p>Snellgrove, David L. (\u00dcbersetzer und Hrsg, 1967): &#8222;Nine Ways of Bon: Excerpts from gZi-brjid.&#8220; London Oriental Series. Vol 18. Extracts from &#8222;gZi-brjid&#8220;.<\/p>\n<p>Lop\u00f6n Tenzin Namdak; Dixey, Richard (1993): \u201eHeart Drops of Dharmakaya. Dzogchen Practice of the B\u00f6n Tradition.\u201c Snow Lion Publications. Boston, London.<\/p>\n<p>Manusch, Gerd (Hsg.) (2001): \u201eNyam Gy\u00fc. The Experiential Transmission of Drugyalwa Yungdrung. Volume Three. The Ancillary Instructions on the Boundless View.\u201c Naldjor &#8211; Institut for Movement and Tibetan Yoga. Lindau.<\/p>\n<p>Reynolds, John Myrdhin (2011): \u201eThe practice of Dzogchen in the Zhang-Zhung Tradition of Tibet. Translations from the \u201aThe Gyalwa Chaktri of Druchen Gyalwa Yungdrung\u2018 and \u201aThe Seven-fold Cycle of the Clear Light\u2018 \u201c. Vajra Publications. Kathmandu, Nepal.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Ver\u00f6ffentlichungen von \u00dcbungen und Sichtweisen aus der B\u00f6n-Tradition; von Tenzin Wangyal Rinpoche (Auswahl):<\/em><\/p>\n<p>\u201eThe True Source of Healing.\u201c Hay House. 2015. United States of America.<\/p>\n<p>\u201eTibetan Yogas of Body, Speech, and Mind.\u201c Snow Lion. 2011. Ithaca, New York.<\/p>\n<p>\u201eTibetan Sound Healing.\u201c Sounds True. 2006. Boulder, CO<\/p>\n<p>\u201eHealing with Form, Energy and Light. The Five Elements in Tibetan Shamanism, Tantra, and Dzogchen.\u201c Snow Lion. 2002. Ithaca, NY \/ Boulder, CO.<\/p>\n<p>\u201eTibetan Yogas of Dream and Sleep.\u201c Snow Lion. 1998. Ithaka, New York<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(for English version click here) ( -&gt; zur\u00fcck zu &#8222;Projektziel&#8220;&#8230;) Die ad\u00e4quate und angemessene Darstellung des B\u00f6n sowie seiner Urspr\u00fcnge<\/p>\n","protected":false},"author":21,"featured_media":0,"parent":7679,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"template-centered.php","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"class_list":["post-4031","page","type-page","status-publish","hentry"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/icem-www.folkwang-uni.de\/icem-web\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/4031","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/icem-www.folkwang-uni.de\/icem-web\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/icem-www.folkwang-uni.de\/icem-web\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/icem-www.folkwang-uni.de\/icem-web\/wp-json\/wp\/v2\/users\/21"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/icem-www.folkwang-uni.de\/icem-web\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4031"}],"version-history":[{"count":24,"href":"https:\/\/icem-www.folkwang-uni.de\/icem-web\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/4031\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7812,"href":"https:\/\/icem-www.folkwang-uni.de\/icem-web\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/4031\/revisions\/7812"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/icem-www.folkwang-uni.de\/icem-web\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/7679"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/icem-www.folkwang-uni.de\/icem-web\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4031"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}