{"id":7789,"date":"2018-12-13T10:48:31","date_gmt":"2018-12-13T09:48:31","guid":{"rendered":"https:\/\/icem-www.folkwang-uni.de\/icem-web\/?page_id=7789"},"modified":"2018-12-13T14:08:13","modified_gmt":"2018-12-13T13:08:13","slug":"klangwissen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/icem-www.folkwang-uni.de\/icem-web\/artist-in-progress\/dokumentation-electroacoustics-meets-boen-uebersicht\/kompositorischer-wendepunkt-das-ende-der-prinzipien\/klangwissen\/","title":{"rendered":"Klangwissen"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/icem-www.folkwang-uni.de\/icem-web\/artist-in-progress\/dokumentation-electroacoustics-meets-boen-uebersicht\/\"><em>[ -&gt; zur\u00fcck zur Projekt\u00fcbersicht&#8230;]<\/em><\/a><\/p>\n<p>Wie man bereits in den Reisetageb\u00fcchern lesen kann <a href=\"https:\/\/icem-www.folkwang-uni.de\/icem-web\/artist-in-progress\/dokumentation-electroacoustics-meets-boen-uebersicht\/dolanij-27-09-2017-04-10-2017\/feuer-4-heiliges-feuer\/\">(-&gt; Feuer 4: Heiliges Feuer)<\/a>, fiel w\u00e4hrend der Zeremonien eine grunds\u00e4tzliche kompositorisch-ethische Entscheidung. Das war die, das Feuerprasseln des Verbrennungsfeuers mit in die Komposition einzubauen, &#8211; zu samplen also. Damit wurde ich meinem eigenen kompositorischen <a href=\"https:\/\/icem-www.folkwang-uni.de\/icem-web\/artist-in-progress\/dokumentation-electroacoustics-meets-boen-uebersicht\/was-nicht-geht-kompositorische-prinzipien-kulturellen-respekts\/\">Verbot Nr. 2<\/a> untreu. Und das war richtig so.<\/p>\n<p>Ich wurde aber nicht nur an dieser Stelle meinen eigenen Prinzipien untreu, sondern diese brachen w\u00e4hrend meines Aufenthaltes dort nur so in sich zusammen. &#8211; Sie taten dies begleitet von einem tiefen und klaren Gef\u00fchl ethischer und k\u00fcnstlerischer Folgerichtigkeit. Eine Gef\u00fchlswahrnehmung, die sich freilich jeder logischen Herleitung entzieht.<\/p>\n<p>Aufgrund dieser Wahrnehmung begann ich, auch Verbot 1 zu \u00fcbertreten machte mich daran, die tiefen Ritualtrommeln zu samplen, die aus dem Tempel drangen. Sp\u00e4ter verwendete ich diese Samples in der Komposition reichlich. Mit den Aufnahmen der Ritualtrommel hatte ich unwillk\u00fcrlich auch die die Trommeln stets begleitenden Rolmos (gro\u00dfe Ritualzymbeln bzw. -becken) aufgenommen. Aus beiden Instrumenten abgeleitete Kl\u00e4nge sollten am Ende einen wesentlichen Teil des Feuer-Satzes des Komposition bilden.<\/p>\n<p>Auch das war genau richtig so.<\/p>\n<p>Aber warum? Wie konnte das, was ich vorher selbst strikt als Exotismus ablehnte, pl\u00f6tzlich so eindeutig richtig erscheinen?<\/p>\n<p>Erneut kann ich nur eine Erkl\u00e4rung bieten, die sich nicht rationalisieren l\u00e4sst, weil sie sich nicht auf rationaler Ebene abspielte:<br \/>\nAll dies war OK, weil ich die Ritualtrommel pl\u00f6tzlich &#8222;verstanden&#8220; hatte. Nicht theoretisch, nicht intellektuell, sicher auch nicht B\u00f6n-philosophisch, und auch nicht \u2013 das m\u00f6chte ich betonen \u2013 in ihrer etwaigen spirituellen Dimension.<\/p>\n<p><strong>Was sich stattdessen einstellte, war eine Art &#8222;Klangwissen&#8220;.<\/strong> Durch dieses wurden die Funktion und der Einsatz der Trommel im Gesamtklang des Klostergeschehens &#8222;klar&#8220;.<\/p>\n<p>Es war pl\u00f6tzlich &#8222;Klangwissen&#8220; \u00fcber Rolmo und Ritualtrommel vorhanden, das sich vermutlich nur dadurch zum Ausdruck bringen l\u00e4sst, dass ich selber einen eigenen klanglichen Kontext f\u00fcr die entsprechenden Samples erschaffe, anhand dessen sich dann zeigen w\u00fcrde, ob ich die Verwendung der Trommel beherrsche oder nicht. &#8211; \u00dcberpr\u00fcfbar nat\u00fcrlich nur durch jemanden, der die Bedeutung der Trommel in ihrem urspr\u00fcnglichen Kontext auch versteht.<\/p>\n<p>Die Kl\u00e4nge der Ritualinstrumente, von denen die Verbrennungszeremonien begleitet waren, erschienen wie eine eigene Sprache. Ein Sprache, deren morphologischen Elemente nicht ohne entsprechendes und internalisiertes Kontextwissen in ihrere Bedeutung zu erkl\u00e4ren, geschweige denn zu \u00fcbersetzen sind. Und doch ist eine solche &#8222;Klang-Bedeutung&#8220; unzweifelhaft vorhanden.<br \/>\nDiese Bedeutung begann sich mir w\u00e4hrend der Verbrennungszeremonien zu er\u00f6ffnen. Und in dem Ma\u00dfe, in dem sie dies tat, konnte ich meine zuvor gesetzen Prinzipen fallen lassen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>[ -&gt; zur\u00fcck zur Projekt\u00fcbersicht&#8230;] Wie man bereits in den Reisetageb\u00fcchern lesen kann (-&gt; Feuer 4: Heiliges Feuer), fiel w\u00e4hrend<\/p>\n","protected":false},"author":21,"featured_media":0,"parent":7770,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"template-centered.php","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"class_list":["post-7789","page","type-page","status-publish","hentry"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/icem-www.folkwang-uni.de\/icem-web\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/7789","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/icem-www.folkwang-uni.de\/icem-web\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/icem-www.folkwang-uni.de\/icem-web\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/icem-www.folkwang-uni.de\/icem-web\/wp-json\/wp\/v2\/users\/21"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/icem-www.folkwang-uni.de\/icem-web\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7789"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/icem-www.folkwang-uni.de\/icem-web\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/7789\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7805,"href":"https:\/\/icem-www.folkwang-uni.de\/icem-web\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/7789\/revisions\/7805"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/icem-www.folkwang-uni.de\/icem-web\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/7770"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/icem-www.folkwang-uni.de\/icem-web\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7789"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}