{"id":7792,"date":"2018-12-13T11:17:48","date_gmt":"2018-12-13T10:17:48","guid":{"rendered":"https:\/\/icem-www.folkwang-uni.de\/icem-web\/?page_id=7792"},"modified":"2018-12-13T14:07:33","modified_gmt":"2018-12-13T13:07:33","slug":"momentwissen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/icem-www.folkwang-uni.de\/icem-web\/artist-in-progress\/dokumentation-electroacoustics-meets-boen-uebersicht\/kompositorischer-wendepunkt-das-ende-der-prinzipien\/momentwissen\/","title":{"rendered":"kompositorisches Momentwissen"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/icem-www.folkwang-uni.de\/icem-web\/artist-in-progress\/dokumentation-electroacoustics-meets-boen-uebersicht\/\"><em>[ -&gt; zur\u00fcck zur Projekt\u00fcbersicht&#8230;]<\/em><\/a><\/p>\n<p>Es gibt Teile in der Komposition, die einfach binnen weniger Sekunden da waren. Sie entstanden von einem Moment auf den andere, ohne Konzept, ohne Nachdenken, ohne Reflexion. Fr\u00fcher h\u00e4tte man das &#8222;Eingabe&#8220; oder &#8222;Intuition&#8220; genannt, vermute ich. W\u00e4hrend das erste dieser Worte jedoch impliziert, dass da noch jemand anders au\u00dfer mir seine Finger beim Komponieren mit im Spiel gehabt h\u00e4tte, vermittelt das zweite die Existenz einer Art gottgegebener F\u00e4higkeit, die man hat oder die man nicht hat, und wer sie hat, ist irgendwie &#8222;besonders&#8220;. Von beidem wei\u00df ich nichts und m\u00f6chte es deswegen bei der reinen Beschreibung lassen: Manche Teil waren einfach da. Und zwar binnen Sekunden.<\/p>\n<p>Das Erstaunliche dabei ist der Umfang des auf diese Art entstandenen:<br \/>\nEtwas, das auf diese Art entstand, ist z.B. der &#8222;Naga-Beat&#8220; des Wasserteils. Als ich ihn aufschrieb, war es fast ein &#8222;auditives Abschreiben&#8220;. Es dauert vielleicht 10 Sekunden. Der sich anschlie\u00dfende Rest waren \u00dcbertragungen in Sound.<\/p>\n<p>Es handelt sich bei diesem Beat um eine 23er-Periode, die mir selbst nach wie vor v\u00f6llig unm\u00f6glich ist, auf Anhieb fehlerfrei zu imitieren, da mein K\u00f6rperged\u00e4chtnis sie nicht \u00fcberblickt.<\/p>\n<p>Wie aber kann etwas, was ich selbst nicht imitieren kann, als kompositorisch &#8222;gegeben&#8220; vor mir stehen? &#8211; Es besteht hier offensichtlich ein Unterschied zu dem, was man als &#8222;improvisierendes Komponieren&#8220; kennt, die Verschriftlichung einer spontanen Improvisation.<\/p>\n<p>Ich vermute wie gesagt, dass es sich dabei um dasjenige Ph\u00e4nomen handelt, was fr\u00fcher als &#8222;Eingabe&#8220; oder &#8222;Intuition&#8220; bezeichnet wurde. &#8211; Beides Bezeichnungen, die merkw\u00fcrdig unsachlich anmuten f\u00fcr die rein m\u00e4nnlich dominierte Komponistengeschichte. Als sei es \u00fcber Jahrhunderte nicht auszuhalten gewesen, ein Ph\u00e4nomen, das man nicht versteht, zun\u00e4chst einmal einfach nur als das zu betrachten, was es ist:<\/p>\n<p><strong>Bemerkenswert viel Wissen, abrufbar in bemerkenswert wenig Zeit.<\/strong><\/p>\n<p>Ich w\u00fcrde dieses Ph\u00e4nomen deshalb lieber &#8222;kompositorisches Momentwissen&#8220; nennen.<\/p>\n<p>Ich glaube, dass ein solches Wissen ist nichts Ungew\u00f6hnliches ist, nichts Neues und nichts, das allein der Kunst vorbehalten w\u00e4re. Es gibt n\u00e4mlich ein \u00e4hnliches Ph\u00e4nomen bei Unf\u00e4llen, sowohl bei den Betroffenen als auch bei den Helfern. Beiden ist das Ph\u00e4nomen bekannt, dass sich in Bruchteilen von Sekunden lange, logische Gedankeng\u00e4nge abspulen. Dass sich pl\u00f6tzliches Wissen einstellt, nicht dies zu tun, sondern jenes, und dass sich dieses Wissen am Ende als lebensrettend herausstellt.<\/p>\n<p>Diese For von &#8222;Momentwissen&#8220; stelle sich nach der Reise zu den Verbrennungszeremonien geh\u00e4uft ein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>[ -&gt; zur\u00fcck zur Projekt\u00fcbersicht&#8230;] Es gibt Teile in der Komposition, die einfach binnen weniger Sekunden da waren. 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