{"id":5547,"date":"2017-11-28T15:02:05","date_gmt":"2017-11-28T14:02:05","guid":{"rendered":"http:\/\/icem-www.folkwang-uni.de\/icem-web\/?p=5547"},"modified":"2017-11-28T15:02:05","modified_gmt":"2017-11-28T14:02:05","slug":"grenzgaenger-wettbewerb-nachlese","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/icem-www.folkwang-uni.de\/icem-web\/grenzgaenger-wettbewerb-nachlese\/","title":{"rendered":"Grenzg\u00e4nger Wettbewerb &#8211; Nachlese &#8211;"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/icem-www.folkwang-uni.de\/icem-web\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/symposiumgrenzg\u00e4nger_broschuere_07b-e1511877662539.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-5549 aligncenter\" src=\"https:\/\/icem-www.folkwang-uni.de\/icem-web\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/symposiumgrenzg\u00e4nger_broschuere_07b-e1511877662539-632x401.png\" alt=\"\" width=\"632\" height=\"401\" srcset=\"https:\/\/icem-www.folkwang-uni.de\/icem-web\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/symposiumgrenzg\u00e4nger_broschuere_07b-e1511877662539-632x401.png 632w, https:\/\/icem-www.folkwang-uni.de\/icem-web\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/symposiumgrenzg\u00e4nger_broschuere_07b-e1511877662539-768x488.png 768w, https:\/\/icem-www.folkwang-uni.de\/icem-web\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/symposiumgrenzg\u00e4nger_broschuere_07b-e1511877662539-600x381.png 600w, https:\/\/icem-www.folkwang-uni.de\/icem-web\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/symposiumgrenzg\u00e4nger_broschuere_07b-e1511877662539.png 890w\" sizes=\"auto, (max-width: 632px) 100vw, 632px\" \/><\/a><\/p>\n<p>In diesem Jahr fand zum ersten Mal der Folkwang Video Wettbewerb statt. Das Thema lautete in Anlehnung an das Thema des NOW! Festivals &#8222;Grenzg\u00e4nger&#8220;.<\/p>\n<p>Die Jury setzte sich zusammen aus:<\/p>\n<p>Tanja Langenberg, k\u00fcnstlerische Leiterin der Videonale Bonn<br \/>\nProf. Elke Seeger, Professorin f\u00fcr Fotografie und Konzeption und Prorektorin der Folkwang UdK<br \/>\nProf. Dietrich Hahne, Professor f\u00fcr Komposition und Visualisierung an der Folkwang UdK<\/p>\n<p>Unter den \u00fcber 60 Einsendungen aus aller Welt vergab die Jury die drei vorgesehenen Preise sowie eine &#8222;Ehrenhafte Erw\u00e4hnung&#8220; (honorable mention):<\/p>\n<p>1.Preis: Ludwig Berger \/ Michael Kugler (CH\/DE): \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0Cranachstrasse 47<br \/>\n2.Preis: \u00a0<span style=\"font-size: 1.0625rem;\">Antonio Mastrogiacomo &amp; e-cor ensemble (I): Accidente<br \/>\n<\/span>3.Preis: Roberto Zanata(I): \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 Ein Exempel<br \/>\nHonorable Mention: Marjan Markelj: \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0Ikarus|Blackbox<\/p>\n<p>Die Werke wurden am 28.10. im Rahmen des NOW! Festivals aufgef\u00fchrt. Frau Prof. Seeger hielt die Laudationes auf die anwesenden Preistr\u00e4ger, die am Nachmittag w\u00e4hrend des Symposiums zum Thema auch die M\u00f6glichkeit hatten, \u00fcber ihre Arbeit zu berichten.<\/p>\n<p>Wir gratulieren den Preistr\u00e4gern und hoffen, den Wettbewerb auch in den n\u00e4chsten Jahren wieder durchf\u00fchren zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die Begr\u00fcndungen und Laudationes der Jury:<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<div class=\"page\" title=\"Page 1\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p><strong>Ludwig Berger und Michael Kugler (Schweiz)<br \/>\n<\/strong><strong>CRANACHSTRASSE 47 &#8211; 1Ch-Video, sw, 05:59, 2017 (1.Preis)<\/strong><\/p>\n<p>Das Werk Cranachstra\u00dfe 47 von Ludwig Berger und Michael Kugler f\u00fchrt uns in das Innere eines Hauses mit bewegter Geschichte. Die Villa D\u00fcrkheim in Weimar, gebaut 1913 nach Pl\u00e4nen von Henry van de Velde, wurde seitdem als privates Wohnhaus ebenso genutzt wie als Sitz der sowjetischen Kommandantur und Kreisverwaltung der Stasi. Zwar kommt die Geschichte des Geb\u00e4udes in der Arbeit von Berger und Kugler nicht zur Sprache, jedoch bringen sie dezent und doch wirkungsvoll die in der Architektur verborgene Aura auditiv und visuell zum Klingen. Die K\u00fcnstler nutzen hierf\u00fcr allein das vorhandene Lichtsystem des Hauses, das sie durch gezieltes Ansteuern manipulieren. Mit einer Hochgeschwindigkeitskamera dokumentieren sie die visuellen Effekte dieses Eingriffs. Die durch das Flimmern erzeugten Kl\u00e4nge werden ebenfalls aufgezeichnet, verst\u00e4rkt und per Impulsantworten zur\u00fcck in den Raum gespielt. Das Licht dient hier gleichsam als omnipotentes Instrument, das das Ausgangsmaterial f\u00fcr sowohl die klangliche als auch die visuelle Komposition liefert \u2013 ohne Licht existiert kein Bild und in diesem Fall auch kein Ton. Durch die Verschr\u00e4nkung der beiden Ebenen entwickelt sich eine komplexe Komposition aus dem Lichtklang und den einzelnen offengelegten architektonischen Details, die sich in einem st\u00e4ndigen Dialog befinden. Es scheint fast so, als lege das Geb\u00e4udes seine Psyche frei und trete in Kommunikation mit uns als zun\u00e4chst unbeteiligten Betrachtenden, die dann aber \u2013 mit fortschreitender Dauer der audiovisuellen Komposition \u2013 immer weiter in die G\u00e4nge und Untiefen dieses Hauses und seiner bewegten Geschichte hineingezogen werden. Das Video \u00fcberzeugt nicht nur durch technische Brillanz und Darstellung der gezeigten Details. Die Jury war vor allem beeindruckt von der Konsequenz und gleichzeitigen Leichtigkeit mit der Berger und Kugler mit ihren minimalen Interventionen in den akustischen wie architektonischen Raum eine zweidimensionale Klangskulptur entstehen lassen, die den Seh- und H\u00f6rsinn gleicherma\u00dfen herausfordert. Sie verfolgen auf visueller wie auditiver Ebene eine klare Dramaturgie, die den Betrachtenden fesselt und mitnimmt auf eine Reise in das Innerste eines sonst stummen Geb\u00e4udes. Das Werk Cranachstra\u00dfe 47 l\u00e4sst dem Zuschauenden- und h\u00f6renden ausreichend Freiraum, um eigene Zwischenbilder und -t\u00f6ne zu entwickeln. Die Souver\u00e4nit\u00e4t mit der die K\u00fcnstler ihre Bild-Klang-Komposition aufbauen, hat uns von Beginn an \u00fcberzeugt und wir freuen uns, den ersten Preis des ICEM Videopreises 2017 an Ludwig Berger und Michael Kugler vergeben zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>________________________________________________________________<\/p>\n<p><strong>Antonio Mastrogiacomo &amp; e-cor ensemble (It)<\/strong><br \/>\n<strong>ACCIDENTE &#8211; 1Ch-Video, sw, 04:08, 2017 (2. Preis)<\/strong><\/p>\n<p>Superstizione &#8211; auf deutsch \u201eAberglauben\u201c, so hei\u00dft ein fr\u00fcher 9-min\u00fctiger Kurzfilm von Michelangelo Antonioni, den er 1949 in der italienischen Region Marken drehte. Eine schwarze Katze kreuzt die Strasse, ein M\u00e4dchen l\u00e4sst einen Schminkspiegel fallen, der zersplittert. Ein kleiner Junge wird im Wasser gebadet, in dem eine M\u00fcnze, eine Feder, Scheren, ein St\u00fcck Eisen und Holz liegen. Ein buckliger Magier mit Zauberring und Wunderkr\u00e4utern gibt einem M\u00e4dchen Zuversicht, dass ihr Verlobter sich wieder meldet. Eine Wunderheilerin will das B\u00f6se aus einem reuigen jungen Mann treiben mit Kreuzzeichen, \u00d6l und Korn. Ja, man sieht sogar wie eine giftige Viper gefangen, mit einem Schlag auf den Kopf bet\u00e4ubt und schlie\u00dflich ins Feuer geworfen wird. Da windet sie sich und braucht lange, bis sie endlich tot ist. Der ganze Antonioni\u2019sche Kurzfilm besteht aus einer Aneinanderreihung seltsamer Riten und magischer Praktiken, die ungeachtet aller sonstigen \u00f6ffentlichen Fr\u00f6mmigkeit den l\u00e4ndlichen Alltag zu bestimmen scheinen. Am Anfang und Ende des Films zeigt Antonioni einen Kirchturm, womit er angedeutet, dass all dies unter den Augen und Ohren der katholischen Kirche geschieht. Offenbar existiert ein Volksglauben, der handfester Magie weit mehr Wirkm\u00e4chtigkeit zugesteht als christlicher Erl\u00f6sungstheologie. Antonio Mastrogiacomo &amp; das e-cor ensemble haben aus diesem Film einen anderen, einen neuen gemacht: er hei\u00dft Accidente und ist gerade einmal 4min lang und wird heute mit dem 2. Preis des ICEM Videowettbewerbs ausgezeichnet. Die Bedeutung des Wortes Accidente ist wesentlich vieldeutiger; es kann hei\u00dfen: Zufall, Ungl\u00fccksfall, aber auch Schlaganfall. Was Antonio Mastrogiacomo und das e-cor ensemble hier machen, ist &#8211; kompositorisch gesprochen &#8211; eine Kontrafaktur, d.h. ausgehend von gegebenem Material &#8211; hier der Kurzfilm von Antonioni &#8211; entsteht durch entschiedenes Eingreifen und Ver\u00e4ndern etwas Neues. Das alte Material wird neu geschnitten, verdreht, wiederholt, invertiert, vergr\u00f6\u00dfert, verkleinert und auf andere Weise kompositorisch bearbeitet. Bewusst greifen die K\u00fcnstler hierbei nicht auf originales Filmmaterial zur\u00fcck, sondern bedienen sich dem allseits und jederzeit verf\u00fcgbaren Foundfootage-Material von<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"page\" title=\"Page 2\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p>Youtube, also einem Material, dem schon durch seine starke Komprimierung als digitale Internetversion erstmals Gewalt angetan wurde. In ihrer bildtechnischen Bearbeitung drehen die K\u00fcnstler diese Schraube der Aufl\u00f6sung des Materiellen nun noch ein ganzes St\u00fcck weiter. In harten schroffen Schnitten werden einzelne Bildsequenzen aneinandergef\u00fcgt und das surreale Moment des urspr\u00fcnglichen Films auf die Spitze oder sogar dar\u00fcber hinaus getrieben. Parallel zur Bildebene wurde auch die Klangebene einer eingehenden Dekonstruktion unterzogen: wurde dem Original 1949 eine InstrumentalMusik unterlegt, die ihrer postromantischen Klanglichkeit wegen eine r\u00fcckw\u00e4rtsgewandte Aura verbreitet, entsteht durch die Neuverklanglichung eine andere, durchaus ambivalente akustische Welt. Auch hier sind Instrumentalkl\u00e4nge zu h\u00f6ren, die jedoch mit harten, elektronischen Ger\u00e4uschen kombiniert und so ihrer akustischen Herkunft beraubt werden. Der parallele Schnitt von Bild und Klang verst\u00e4rkt den Aspekt der Kontrafaktur, besser den einer rabiaten Dekonstruktion. Es ist gleichsam so als w\u00fcrde das Antonioni\u2019sche Original zers\u00e4gt &#8211; und damit der Brutalit\u00e4t \u00fcberantwortet, die in diesem zu sehen ist. Insistierende Wiederholungen von Bildern, Ausschnittvergr\u00f6\u00dferungen sowie die permanente Verdopplung des visuellen Schnitts durch akustische Ereignisse verst\u00e4rken diesen Eindruck. Antonio Mastrogiacomo &amp; dem e-cor ensemble ist damit gelungen, einem alten Volksaberglauben, der in einem alten Film mit deutlich gealterter Klang- und Bild\u00c4sthetik \u00fcberliefert ist, eine aktuelle Fassung zu geben. Was das bedeutet, mag offen bleiben. In jedem Fall ist Accidente ein bemerkenswertes Werk, das historisch \u00dcberliefertes auf k\u00fcnstlerisch profilierte Weise mit aktueller Zeit- und Medienkritik verbindet. ________________________________________________________________<\/p>\n<p><strong>Roberto Zanata (It)<\/strong><br \/>\n<strong> EIN EXEMPEL &#8211; 1Ch-Video, sw, 03:48, 2017 (3. Preis)<\/strong><\/p>\n<p>Ein Exempel nennt der italienische Videok\u00fcnstler Roberto Zanata seine hier mit dem 3. Preis ausgezeichnete Arbeit. Ein Exempel ist &#8211; ein Beispiel. Fragt sich: ein Beispiel f\u00fcr was? Naheliegende Antwort: Ein Beispiel f\u00fcr das, was im Video zu sehen ist! Aber was wird im Video abgebildet? Was zeigen die seltsamen Bewegungen, mit denen das Auge konfrontiert wird. Der Sinn eines Titels oder einer Bild\u00fcberschrift besteht darin, Hinweise auf das gezeigte zu liefern. Allein: das Video verweigert weitgehend die Auskunft. Antworten ergeben sich nicht. Schon gar von allein. Und wenn, dann sind es Vermutungen und die entstehen auch nur unter Zuhilfenahme spekulativer Intuition. &#8211; Was wir sehen ist eine schwarzwei\u00dfe Form. Diese \u00e4hnelt dem Umriss einer Person. Es k\u00f6nnte sich um ein Brustbild klassischen Zuschnitts handeln. Bei genauerem Hinsehen entdecken wir Ver\u00e4nderungen. Nat\u00fcrlich, denn es handelt sich ja nicht um ein Gem\u00e4lde, sondern um ein Video. Aber diese Ver\u00e4nderungen wirken wie Akzidentien, die mit der Bewegung der Ursprungsbilder nichts oder wenig gemein zu haben scheinen. Die Silhouette der Person bewegt sich nur wenig, es scheint als sei das Originalvideo fast bis zum Stillstand verlangsamt, so dass eher Einzelbilder als eine fl\u00fcssige Bewegung wahrzunehmen sind. Das ist die \u00e4u\u00dfere, gleichsam mitgegebene Bewegung. Dieser wird eine andere Bewegung \u00fcberlagert. Und die ist um einiges r\u00e4tselhafter. Es sieht so aus als tr\u00e4fen hier visuelle Verfahren des Direktfilms &#8211; bei dem direkt auf den Film gemalt, gekratzt und gestochen wird &#8211; auf digitale Verfahren. Seltsame Oberfl\u00e4chen entstehen, schlagen Blasen, sie erinnern an Verbrennungen oder Ver\u00e4tzungen, die durch S\u00e4ure entstehen usw. Die Silhouette der Person wird dabei zunehmend depersonalisiert. Immer abstrakter, immer weniger Mensch wird sie. Dann kippt das Bild um. Der Klang wird intensiviert. Wir sehen nichts konkretes mehr. Alles bleibt vage. Nach weniger als 4 Minuten ist das ganze beendet. Zur\u00fcck bleibt eine ebenso vage Verst\u00f6rung. Wovon wurden wir Zeugen? Die Bilder liefern keine Antwort. Die Kunst der Wahrnehmung besteht darin es bei Fragen zu belassen. Roberto Zanata hat ein Video geschaffen, das sich der semantischen Eindeutigkeit verweigert. Kompositorischer Strenge, klarer Form und konsistenter Verfahren ist es zu danken, dass dem K\u00fcnstler eine Arbeit gelungen ist, die die Attribute \u201eunabgeschlossen\u201c, \u201eunfertig\u201c, \u201ezerst\u00f6rend\u201c positiv wendet. Das Schwarzwei\u00df-Video ist eine gelungene Gratwanderung zwischen Abstraktion und Konkretion, sowohl auf der Bild- als auch der Klangebene. Die flie\u00dfenden \u00dcberg\u00e4nge von einem zum anderen fesseln den Betrachtenden und entlassen ihn\/sie zugleich in die Freiheit, sich selbst ein Bild davon zu machen, f\u00fcr was oder wen hier &#8222;ein Exempel&#8220; statuiert wird.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In diesem Jahr fand zum ersten Mal der Folkwang Video Wettbewerb statt. 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