Rhythmus und somit die Frage nach der Organisation von Zeit erweisen sich als zentral für die algorithmische Komposition. Während die harmonische Organisation von Tonhöhen einigen klaren Prinzipien folgt, sind Prinzipien rhythmischer Wohlgeformtheit weniger einfach zu benennen. Angesichts dieser Diskrepanz stellt sich die Frage, welche Regeln überzeugende Rhythmen algorithmisch erzeugen können. Insbesondere in der elektroakustischen Musik, in der die interpretative Ebene einer ausführenden Person meist entfällt, gewinnt die algorithmische Generierung expressiver musikalischer Parameter an Bedeutung. Ziel dieser Arbeit ist die Entwicklung und Exploration eines integrativen Ansatzes zur algorithmischen Gestaltung von Rhythmus, der, im Vergleich zu seriellen Verfahren, das Potenzial birgt, organischere und kohärentere rhythmische Verläufe zu erzeugen.
Ein besonderer Fokus dieser Untersuchung liegt auf der Rolle von Metren. Obwohl sie in der algorithmischen Komposition primär der Notation und nachträglichen Interpretation dienen, deutet ihre enge Verknüpfung mit der menschlichen Rhythmuswahrnehmung darauf hin,dass sie ein vielversprechendes Fundament für kompositorische Entscheidungen darstellen könnten. Diese Perspektive impliziert eine Umkehrung des traditionellen Verhältnisses von Rhythmus und Metrum und wirft die zentrale Forschungsfrage auf, inwieweit sich Metren formalisieren und algorithmisch nutzbar machen lassen, um rhythmische Strukturen zu generieren.
